`Finaly Free` aus der Serie: STREET FOTOGRAFIE 
`Finaly Free` aus der Serie: STREET FOTOGRAFIE 

Wie kam es zur SAMMLUNG JONES ?

Angefangen hat alles mit der Musik, dann entdeckte ich auf den Reisen die Stencils. Wann ich das erste gesehen oder fotografiert habe, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Aber mit dem weltweiten Phänomen der Stencils in den unterschiedlichsten kulturellen Metropolen ging die Sammelleidenschaft los. Daraus entwickelte sich das erste Fotobuch: "Eine Dokumentation von Vergänglichkeit und Glück". Zu den Bildern und Reisen gibt es Geschichten, so entstanden Texte – eine Art `FOTOSOPHIE`. Die Sammlung Jones war jedenfalls nie geplant, das hat sich Schritt für Schritt ergeben.

Wo liegt momentan der Schwerpunkt?

Das varriert. Während der Pandemie ist/war an Reisen nicht zu denken, so fing ich an meine Arbeiten zu zerschneiden und neu zusammen zu setzen. Daraus ist das Collagen Projekt "Verdichtung der Realität" entstanden und das Projekt "Diversity & der Overview Effekt" mit dem Wildlifefotograf Daniel Rosengren. Wir lernten uns bei einem Projekt in Tanzania kennen. Obwohl wir beide z.Z. unseren Wohnsitz in FFM haben, sind wir uns vorher nie über den Weg gelaufen. Die unterschiedlichen Foto-Projekte in der Sammlung Jones verstehe ich als eine Art Tagebuch eines Handlungsreisenden. In Zukunft wird sich wohl alles vermischen, auch die gesammelten Soundschnipsel aus aller Welt warten ja noch auf die Verarbeitung. Vielleicht wird es in Richtung Sound- & Videoinstallation gehen, mal sehen wohin diese Reise führt.

aus der Serie: "Diversity & der Overview Effekt"

Warum war es Ihnen wichtig diese unterschiedlichen fotografischen Projekte umzusetzen?

Man kann viel sehen und dennoch nichts kapieren; dann helfen weder tolle Fotos, noch irgendwelche sozialen Netzwerke. Das Fotografieren erfolgt einerseits einem intuitiven Handeln und einer Reaktion auf die Außenwelt, andererseits ist Fotografie eine Refelexion über das was man sieht und wahrnimmt. Mich interessiert das Gegensätzliche und in erster Linie ist es die Freude am 'machen'. Die Kunst besteht ja darin, Dinge evt. 'neu' oder 'anders' wahrzunehmen, so wie man es vielleicht vorher noch nicht gesehen hat. Im täglichen Einerlei gilt es den Tunnelblick zu vermeiden, den Selbstbetrug durch die eigene Wahrnehmung. Details sind entscheidend und Vielfalt ist in allen Bereichen wichtig.

aus der Serie: MINIMAL

Hat sich ihr Begriff von Wahrheit und Wirklichkeit durch die Projekte geändert?

Begriffe halten sich nicht in der Zeit und der Begriff von Wahrheit ist viel komplizierter als es die Fotografie je war. Das schlimme ist nur, wenn man gar nichts über Wahrheit weiß, kann einem alles als Wahrheit verkauft werden und Bilder können als Beweis dieser Wahrheit dienen. Aber ein Bild kann in beide Richtungen als Vehikel dienen und der Begriff von Wahrheit ist eben sehr komplex und die Wirklichkeit hat viele Facetten. Als Streetfotograf ist man mehr oder weniger stiller Beobachter der Wirklichkeit. Man ist viel unterwegs, kommt in die verrücktesten Situation und es mag jetzt absurd klingen, aber m.E. deutet vieles darauf hin, dass die Aufmerksamkeit des Menschen äußerst selektiv ist und mehr auf dem beruht, was man meint sehen oder glauben zu wollen, als auf dem, was tatsächlich, faktisch vor den Augen passiert. Hinzu kommt, dass einfache Wahrheiten wohl eine faszinierendere Ausstrahlung haben, als komplexe Wahrheiten.  Aus diesem Zusammenhang heraus ist das Projekt "RITSCH RATSCH KLICK - ein fotosophisches Manifest und warum Jesus kein Fotograf war" enstanden.

 Bahamas `Queen` aus der Serie: MAKRO MONEY

Verkaufen Sie Bilder?

Wir verkaufen limitierte Fine Art Prints und Foto Abzüge auf Aludibont / Plexiglas aus allen Serien. Bei Interior Projekten vergeben wir Nutzungsrechte auf ausgewählte Motive, da es sich in der Regel um sehr große Formate auf unterschiedlichsten Materialien handelt. Die erfolgreichste Fotoserie ist sicherlich "Makro Money - der schöne Schein". In diesem Projekt geht es um die Verbindungen zwischen Kunst, Geld, Natur und Macht und der Facettenhaftigkeit von Geld.

"Die Kunst hat die Kraft eine revolutionäre Sichtweise zu schaffen" aus der Serie: MINIMAL
"Die Kunst hat die Kraft eine revolutionäre Sichtweise zu schaffen" aus der Serie: MINIMAL

Wie ist ihr Verhältnis zur Kunst?

Was ist Kunst oder was soll ein Künstler überhaupt sein? Definitiv gibt es einen Unterschied zwischen Kunsthandwerker und Künstler. Und definitiv hat beides mit Arbeit zu tun. Die kann man gut, schlecht oder mittelmäßig ausführen. Aber der kreative künstlerische Prozeß `des machens` ist ein ständiges in Frage stellen, entwerfen, verwerfen, erfinden, neu kombinieren; diese Ideen fliegen nicht einfach vom Himmel und sie entstehen auch nicht durch Selbstkasteiung, Exzesse oder andere Klischees. Der professionelle Kunstmarkt hingegen zeigt Parallelen zum professionellen Börsenhandel auf, was wiederum eine komplett andere Welt darstellt und eben jedes Klischee bedient. Die Kunst an sich – wie ich es verstehe – hat von je her die Kraft eine revolutionäre Sichtweise zu schaffen – nicht mehr und nicht weniger. Anders formuliert, der Künstler übersteigt das Banausentum nicht in Perfektion.