DIE IKONOGRAPHIE DER BRUST ...

ODER MUSEN IN MUSEEN?


"Es gibt viele Menschen die dran glauben mussten,

damit andere weiter dran glauben können." Volksmund

IKONEN

Ikonen sind Kult- und Heiligenbilder. Sie dienen der Vergegenwärtigung (Repräsentanz) christlicher Wahrheiten. Ganz allgemein gehören IKONEN zur Ausübung des Glaubens. Maria, die das Jesukind nährt ist wohl einer der bekanntesten und war im Mittelalter ein gefragtes Motiv. Der Kirche war zu viel nackte Haut auf religiösen Bildern ein Dorn im Auge, da man befürchtete, dass diese Bilder die Gläubigen vom Gebet ablenken könnten. Im Laufe der Jahrhunderte ließ sich eine gegenteilige Entwicklung nicht stoppen und der weiblichen Brust wurde in der Kunstgeschichte immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

MUSEN IN MUSEEN

Viele gezeigten Werke in der heutigen Museumslandschaft legen Zeugnis dieser Entwicklung ab. Von dem eingängigen Bild von Geborgenheit und Schutz durch mütterliche Kraft und Liebe bis hin zur Politisierung und Pornographie. Werke bedeutender Künstler zeigen oft Musen, Liebesakte, Zechgelage mit Exzessen in finsteren Kaschemmen mit verarmten Dirnen und Wirtsdamen mit halbnackten Brüsten. All diese Werke werden in einer gediegenen Museumsumgebung ausgestellt und von einem gediegenem Publikum ehrfurchtsvoll betrachtet.

SEXISMUS TRIFFT FEMINISMUS

Stellt man sich bei diesen Werken den dazugehörigen Soundtrack oder die passenden Geräusche zu den dargestellten Szenen vor, dann würden diese "lauten, wilden Bilder" allein schon in der sterilen, stillen und ehrfurchtsvollen Museeums Umgebung völlig deplaziert wirken. Mit dem heutigen gesellschaftlichen Blick werden einige Kunstwerke von damals als sexistisch entlarvt. Nicht nur die Wahrnehmung verschiebt sich in der Zeit, auch die Begriffe halten sich nicht. Blickt man in der Menschheitsgeschichte zurück lösten sich fast unmerklich Wissenskonfigurationeneinander ab wie verschiedene Währungen und konnten ebenso neu geprägt, umgeprägt, oder entwertet werden.

VON DER MUSE GEKÜSST

Unter einer Muse versteht man heutzutage ganz allgemein eine Person, die einer anderen Person zu kreativen Leistungen anspornt oder inspiriert. Seit der Zeit der Griechischen Mythologie gelten Musen als göttliche oder genialische Inspirationsquellen für Künstler ("Von der Muse geküsst"). Ursprung ist die antike Vorstellung, dass Ideen (das Denken) sich nicht von selbst entwickeln, sondern von Göttern (oder eben Musen) von außen eingegeben werden. Ganz ähnlich und doch irgendwie ganz anders formulierte es die Kirche für die Ikonenmalerei.

DIE HAND GOTTES I.

Frühe religiöse Bilder wurden nicht als Kunstwerke eines Künstlers betrachtet, sondern im übertragenen Sinne sind es Werke einer höheren Macht, bzw. die Hand des Malers wurde von etwas höheren geführt ("Von der Hand Gottes geführt"). Aus kirchlicher Sicht war eine individuelle, schöpferische Ausdrucksweise eines Malers irrelevant und auch nicht gewünscht (Gotteslästerung). Die Ikonenmalerei gilt daher als eigenständige Form der Malerei und repräsentierte zeit- und raumlose Perspektiven von der Präsenz Gottes. Im übertragenen Sinne findet sich die Idee dieses Überirdischen auch im Umgang mit Reliquin heute noch wieder.

DIE HAND GOTTES II.

Bei Reliquin werden die als authentisch angesehene Wirkmacht der Überreste von Heiligen oder von Objekten (hl. Wasser, Haare, Tücher, etc.) auf die  Menschen, die mit diesen in Berührung gekommen sind, übertragen. Der Glaube an Reliquien - welcher Art auch immer - ist groß. In Neapel gibt es zB. Maradonna (=Fußballgott) Altare, mit Haaren und Tränen des legendären Fußballkünstlers.

 

"Die Hand Gottes (span.: la mano de Dios; engl.: hand of God) bezeichnet eine Situation während der Fußball-Weltmeisterschaft 1986, in der Diego Maradona seine Hand zu Hilfe nahm, um ein irreguläres Tor zu erzielen. Den Ausdruck prägte Maradona selbst, als er nach dem Spiel keine Reue zeigte und vor laufenden Kameras sagte: „Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes“ (span.: un poco con la cabeza de Maradona y otro poco con la mano de Dios). Erst im Jahr 2005 gab Maradona zu, den Ball mit der Hand gespielt zu haben, 2008 zeigte er Reue dafür." Wikipedia

 

DIE LIEBE ZUR KUNST

Historisch betrachtet waren Künstler nicht nur abhängig von den Aufträgen der Kirche, der Königshäuser, der Adelsgeschlechter oder bürgerlicher Dynastien wie z.B. den Medicis – ihre größten Werke entstanden wohl erst im Glanze deren Reichtums. Ob nun die Muse, die Hand Gottes, oder ganz lapidar ein hoher finanzieller Betrag, Künstler zu großen Werken inspiriert haben sei dahingestellt. Die Liebe und die Kunst sind jedenfalls zwei unerklärliche Schöpfungskräfte und darum geht es schließlich.

"Ich glaube an Gott, aber nicht als ein Ding, nicht als einen alten Mann im Himmel. Ich glaube, das was Menschen Gott nennen, ist etwas in uns allen. Ich glaube, dass das was Jesus und Mohammed und Buddha und der ganze Rest gesagt haben, wahr ist. Es wurde nur durch die Übersetzungen verfälscht." John Lennon (09.10.1940 | † 08.12.1980)

"I believe in God, but not as one think, not as an old man in the sky. I believe that what people call God is something in all of us. I believe that what Jesus & Mohammed & Buddha & all the rest said was right. It`s just that the translations have gone wrong." John Lennon (09.10.1940 | † 08.12.1980)

INFLUENCER

Auch klassische Werbefiguren gelten als Ikonen der Reklame. Unzertrennlich waren sie mit der jeweiligen Marke verbunden (zB. in Deutschland: Klementine, Käpt'n Iglo oder Herr Kaiser) und sind im Laufe der Zeit einfach ausgestorben. Die neuen Helden der Rekame nennen sich INFLUENCER und werden wie Ikonen verehrt.

Heute kann fast alles "ikonisch" sein und der Begriff wird inflationär benutzt. Sei es in Form von Technik Verehrung, die zum Kult wird; über Anbetung von Kunst, Geld und Influencern; bis hin zu ritualisierten Formen von Wahrnehmung über Selbstinzenierung und Ikonisierung des eigenen Ichs in sozialen Medien.

FAKENEWS: GLAUBWÜRDIGKEIT vs. ECHTHEIT

Professionelle Werber waren schon seit jeher davon überzeugt, das Glaubwürdigkeit nicht gleichzusetzen ist mit Echtheit. Im übertragenen Sinne hatte sich dieses erfolgreiche Prinzip schon in der mittelalterlichen Ikonenmalerei bewährt. Obwohl die Religion in der westlichen Welt immer weniger im Zentrum steht, steigt heutzutage scheinbar das gesellschaftliche Bedürfnis nach Ikonen.

"...Und viele sagen immer noch:
Das wird sich niemals wiederholen!
Aber seht ihr denn nicht an den Häuserwänden
Dieselben alten neuen Parolen?

Nein, sie brauchen keinen Führer
Nein, sie können's jetzt auch alleine
Nein, sie brauchen ihn nicht mehr
Diese neuen Nazi-Schweine
Und den hocherhobenen Kopf"

Auszug Text: "Sie brauchen keinen Führer" | Udo Lindenberg & Das Panikorchester | LP: Götterhammerung  1984 Universal Music GmbH

 

„Wenn es soviele verschiedene Götter gibt, ist der Teufel denn bei allen gleich?“ unbekannt