Arbeiten von Beuys, King und Jones und vielen anderen Künstlern waren Bestandteil der Ausstellung Sammlung Haupt`Kunst und Geld` im Kunstverein Mannheim. Da ich seit langem die genialen Arbeiten von Helmut King verfolge und wir nun gemeinsam in einer Ausstellung vertreten waren, lag es auf der Hand sich kennenzulernen. Durch Zufall ergab sich die Gelegenheit eines Besuchs in seinem Atelier am Bodensee.

Wer ein Überblick über das Schaffen von Helmut King gewinnen will sollte Zeit mitbringen; die hatten wir zum Glück mitgebracht und es wurde keine Sekunde langweilig. Wie auch, denn gleich zu Beginn erzählte King die Geschichte, dass er  mit Bruno Pezzey in der Jugend Fussball gespielt hat und jeder Eintracht Fan weiss: "Er wird immer im Herzen der Eintracht bleiben". Ein gelungener Start.

Helmut King ist in Hard geboren und eignete sich als Autodidakt unkonventionell-burschikos in farbintensivem Duktus die Umgebung an – die Ergebnisse: bemalte Hobel, Helme, Tretboote, Musikinstrumente, Kanister oder aufgeschnittene Zigarettenschachteln. Arbeitswerkzeuge: Schere, Stifte, Acrylfarben uvm.

Der Kretzer - als Eigenwährung -, der auch im Kunstverein Mannheim gezeigt wurde, spielt sowohl auf die Bregenzer Künstlergruppe der 90er Jahre, deren Mitglied King war an, als auch auf den landschaftstypischen Begriff für den Barsch im Bodensee. Mitglied der Gruppe war der nicht minder geniale Schriftsteller Kurt Bracharz. Ihn sollten wir noch am nächsten Tag treffen. Bracharz ist Verfasser von Kriminalromanen, Erzählungen, Kinderbüchern, Essays und Hörspielen; daneben übersetzt er aus dem Englischen und er ist ein Feinschmecker der besondern Art. Unbedingt probieren, oder besser gleich bestellen und lesen!! An einem schönen Nachmittag trafen alle drei (King | Bracharz | Jones) im Hause King zusammen und tauschten bei Kaffee, Kuchen und Rotwein – Bücher und Ideen.

weitere Infos zu Helmut King: Quelle www.sammlung-haupt.de

 

"Helmut King fordert auf: Kauf keinen King, fördere lieber die Kunst! Das kann nur sarkastisch-ironisch gemeint sein, denn schließlich verkauft der Vorarlberger Künstler nichts anderes als Kunst, und jeder Kauf ›eines Kings‹ fördert ebendiese. Sogar Merchandising-Artikel aus seinem Atelier sind erhältlich. Seine Serie »Support Art – don't buy a King« setzt sich also mit dem Problemfeld Kunstmarkt und Marktkunst auseinander, ähnlich wie schon sein Kunstprojekt Y2K-Pix aus dem Jahr 2000. Damals ging es um schnelles Produzieren und ebenso schnelles An-den-Mann-Bringen: Der Künstler unternahm den Versuch, jeden Tag ein neues Bild im Postkartenformat herzustellen und zu verkaufen. Diese Mini-Bilder bot er in einem Café zu erschwinglichen Preisen an. Das Kretzer-Geld läutete die nächste Stufe in seiner Auseinandersetzung mit der Kommerzialisierung der Kunst ein. Anlässlich der 50. Biennale in Venedig im Jahr 2003 und auf Anregung von Piermario Ciani hatte King zunächst nur den 50 Kretzer-Schein entworfen und, gemeinsam mit anderen Künstlern und ihren Währungen, in einer Performance an Passanten verteilt. Von der Idee einer Kunstwährung überzeugt, entwickelte er sodann um den 50 Kretzer-Schein herum eine komplette Serie in den Wertstufen 5, 10, 20, 50, 100, 200, 500 und 1000 Kretzer. Diese brachte er am 1. August jenes Jahres sehr erfolgreich in Umlauf, als im Rahmen eines Events in der Bregenzer Raiffeisenbank »echte« Scheine gegen Kretzer-Scheine getauscht werden konnten." (Quelle Sammlung Haupt)

 

1Der Begriff Kretzer leitet sich vom Namen einer Künstlergruppe aus Bregenz ab, in der King einst Mitglied war. Damit nimmt die Künstlergruppe, natürlich unter »Vorsitz« des Königs Helmut King, die Rolle der herausgebenden staatlichen Autorität ein,

des »United Kingdom of Kretzer«. Die Serie der phantasievoll gestalteten Geldscheine ist durchweg in einem cartoonesken Stil gehalten. Die Scheine zeigen stilistische Einflüsse der naiven Kunst, der Pop Art und der Graffiti Art. Die kräftige Kolorierung, die häufig auf kontrastierende Primärfarben zurückgreift, und der großzügige Einsatz von Glanzpunkten

und Bewegungslinien (Speedlines) erinnern an Keith Haring. Die beherrschenden Themen des Kretzergeldes sind Sex, Drugs und Rock'n'Roll, die übergeordnete Referenzfigur ist der Musiker und Künstler Frank Zappa.

2 King entwickelte rund um diesen Themenkreis eine eigene Figurenwelt aus lebensfrohen Mischwesen und Tieren. Auf den Scheinen immer wiederkehrende Leitmotive sind zum einen die goldene Krone als Anspielung auf den Künstler selbst – den »König«, und die herausgestreckte Zunge. Letztere huldigt ganz offenkundig dem Logo der Rolling Stones, die mit ihrem 1971 herausgebrachten Albumcover von »Sticky Fingers« der Jugend ihrer Generation ein brauchbares und dauerhaftes Symbol

für Rebellion und Abgrenzung vom Establishment lieferten. Die Zappa-Hommage ist nicht nur in Kings Stil erkennbar, der sich mit dem Malstil von Zappa gut vergleichen lässt, sondern auch ganz konkret im Bildinhalt. Die Seriennummer des 1000 Kretzer-Scheins beispielsweise entspricht dem Geburts- und Sterbedatum Zappas (21.12.1940–4.12.1993). Zitate des Künstlers werden als Motti auf die Scheine gesetzt (1000 Kretzer, 50 Kretzer). Der 50 Kretzer-Schein erinnert darüber hinaus an den 1968er Album-Titel We’re only in it for the money / money talks, bullshit walks (was so viel bedeutet wie wir machen’s nur des Geldes wegen / wer Geld hat, kann Idioten zu allem bewegen) und der 20 Kretzer- Schein an den umstrittenen Zappa-Song »Jewish Princess«.

Der Trommler ist erkennbar als Jimmy Carl Black (1938–2008), Schlagzeuger der Zappa-Band »Mothers of Invention« und langjähriger Freund von Helmut King. Black hatte indianisches Blut und pflegte sich bei Auftritten immer als »der Indianer« der Band vorzustellen. Als solch ein Indianer wird er von King daher zeichnerisch stilisiert. Die übrigen Figuren könnten, wie etwa das für die Band charakteristische Saxophon andeutet, ebenfalls Bandmitglieder wiedergeben."
(Quelle Sammlung Haupt)

 

1 Wiehl, Ines: Kretzer-Scheine in Umlauf, Neue Kultur, 25.06.2003.

2 Helmut King beteiligt sich seit vielen Jahren an der Zappanale, dem 1990 erstmals und später jährlich stattfindenden Musikfestival in Bad Doberan. (aus dem Katalog Alexa Küter · Bernhard Weisser: Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN. Eine Ausstellung des Münzkabinetts mit Leihgaben der Sammlung Haupt, 24.11.2016 - 27.5.2017)